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Katharina Afflerbach

Katharina Afflerbach

2018-07-24 10:56
Kopf aus - Leben an

Ein Wimpernschlag

Notiert nach meinem ersten Alpsommer 2014

Mein Name ist Katharina Afflerbach, ich bin 37 Jahre alt und hatte in meinem Leben mit Landwirtschaft nicht wirklich was am Hut. Bis die zehn Tage, die ich ehrenamtlich bei einem Bergbauern in Südtirol mitarbeitete, alles veränderten.

Herausgerissen aus einem Büroalltag in der Millionenstadt Köln, hineingeworfen in einen Tagesablauf, der an erster Stelle von den Tieren und vom Wetter bestimmt wurde. Von jetzt auf gleich war mein Terminkalender arbeitslos geworden, und mein iPhone brauchte ich einzig noch für die Weckfunktion am frühen Morgen zum Melken. Meine neuen Arbeitskollegen hatten vier Beine und waren vergleichsweise leicht zu „händeln“, auch wenn ich mit meinen Führungs- und Kommunikationsqualifikationen hier natürlich nicht weit kam. Anstatt in Kostüm oder Anzug warf ich mich morgens in Blaumann und Gummistiefel und war keine zwei Minuten nach dem Aufwachen parat zum Antreten im Stall. Ich erledigte, was zu erledigen war (Melken, Ausmisten & Co.), und wenn ich mit einer Arbeit fertig war, gab mein Chef mir eine nächste – und interessanterweise machte alles Sinn. Ich hatte Feuer gefangen.

Heute blicke ich auf vier Monate Leben und Arbeiten auf einer Alp in den Schweizer Bergen zurück. Ich bin ins kalte Wasser gesprungen, habe Job und Wohnung aufgegeben und bin für meinen Mut mit Erlebnissen, Erfahrungen und Begegnungen belohnt worden, die ich zu Hause nicht hätte finden können.

Es war nicht das erste Mal gewesen, dass ich zu einem für mich großen Abenteuer aufbrach. Zum allerersten Mal ging es für mich los, als ich 21 Jahre alt war. Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich 1997 die großen Sommersemesterferien im Krankenhaus verbrachte. Ich war an der Hüfte operiert worden und litt und schwitzte bei hochsommerlichen Temperaturen im Spital vor mich hin. Das waren nun schon die zweiten Sommerferien, die ich eingesperrt in einem Krankenzimmer verbrachte. Was für ein Lichtblick, als meine zwei Kommilitoninnen mir verkündeten, dass es für uns drei im kommenden Jahr mit einem Auslandssemester klappen würde! Wir würden für ein Semester zusammen in die weite Welt gehen – und zwar: in die Schweiz! Ich wohnte damals noch bei meinen Eltern und studierte in meiner Heimat, so dass die kleine Universitätsstadt Freiburg (oder wie es internationaler klingt: Fribourg) für mich viel Veränderung und Aufregung bedeutete. Dass Bea, Mareike und ich in einem kleinen Studentinnenwohnheim der Baldegger Schwestern, den „Schwestern von der Göttlichen Vorsehung“, und nicht in einer verrückten Studenten-WG in der City wohnen würden, störte mich nicht im Geringsten. Günstig war es auch. So hielten mich die rund 1.000 DM, die ich insgesamt vom Erasmus-Programm für das Semester in der Schweiz erhielt, und mein bei der „Westfälische Rundschau“ und im „Kontra“-Supermarkt neben dem Studieren verdientes Geld in der teuren Schweiz über Wasser.

Mit dem Zug reiste ich in das Alpenland, holte mein vorverschicktes Fahrrad am Bahnhof Fribourg ab und radelte mit Sack und Pack auf die andere Seite der Schlucht nach Bourguillon (was ich von nun an tagtäglich würde tun müssen, trennte die Schlucht doch unser Nest von der Stadt und der Uni), um bei den Schwestern einzuziehen. In meinem kleinen Zimmer mit Waschbecken fühlte ich mich gleich heimisch. Wir kochten und backten gemeinsam in der Etagenküche und freundeten uns mit Edith aus Österreich und „Madame“ aus Spanien an, wenn letztere nicht gerade in Alufolie eingewickelt in der prallen Sonne gegen ihre Cellulite kämpfte. Wir übten Handstand auf dem Flur und Jodeln auf dem Balkon. Ich hatte den ersten richtigen Fahrradunfall meines Lebens und wurde umgehauen von Leonardo DiCaprio, nachdem „Titanic“ in die Kinos gekommen war. Mein Waschbeckenzimmerchen zierte ab sofort ein Bravo-Poster – was in meiner Biografie (hoffentlich) einmalig bleiben sollte. Ich blieb kurzentschlossen und ohne schlechtes Gewissen einfach mal einen ganzen Sonntag lang im Bett und las den „Pferdeflüsterer“. Ich hatte Jungenbesuch, obwohl es verboten war. Ich besuchte einen Kletterkurs im Turm der alten Stadtmauer und ging zum Geräteturnen an der Uni, weil der Turnlehrer hübsch anzusehen war. Ich reiste zwischendurch für ein paar Tage nach München, um mit meiner Mannschaft beim Deutschen Turnfest zu starten und Sonne und Radler auf dem Marienplatz zu genießen. Und ich fuhr so manches Mal mit dem Generalabo der Uni, das man sich kostenfrei ausleihen konnte, kreuz und quer mit dem Zug durch die Schweiz anstatt mit dem Rad in die Uni. Kurz: Es war eine tolle Zeit.

Der Zufall kam mir zu Hilfe, so dass ich schließlich sechs statt vier Monate in der Schweiz bleiben konnte. Das „International Junior Camp Gstaad“ für Kinder reicher Eltern suchte per Uni-Aushang Sprach- und Sportlehrer für Juli und August, und ich stellte mich spontan den Camp-Betreibern in einem Hotel in Fribourg vor. Was folgte, war ein aufregender Sommer mit Betreuern und Kindern aus aller Herren Länder – mit viel Sport und Spiel, Spaß und Party, und das alles vor der schönsten Bergkulisse, die ich mir denken konnte. Bis heute sind mir viele Begegnungen in Erinnerung geblieben. Da war zum Beispiel der kleine Junge aus Mexico City, der daheim morgens von seinem persönlichen „Driver“ zur Schule gefahren wurde und dem ich im Camp zeigte, was ein Fahrrad ist und wie man es fährt. Oder die Buben aus Saudi-Arabien, mit denen ich eine Bergtour machte und die wie das Sterntalermädchen Schnee in ihre Pullover packten, um ihn mit nach Hause zu nehmen. Materiell trennten uns Welten. Und doch waren wir, Betreuer und Kinder, uns sehr nah. In ihrer Heimat lebten die wenigsten der Kinder aus Russland, Mexiko, Israel oder den Emiraten „zu Hause“; die meisten waren auf Elite-Internate geschickt worden und in den Ferien eben in namhafte Camps in der Ferne. Wir waren Mutterersatz und Sporttrainer, Sprachlehrer und Spielkamerad in einem. Nachts schlief ich nie mehr als fünf Stunden; es war viel zu verlockend, mit den anderen Counsellors in das kleine (und kostspielige) Nachtleben von Gstaad einzutauchen oder (natürlich verbotenerweise) auf einem unserer Zimmer zu feiern. So war ich auch deutlich weniger überrascht als mein Bruder, der mich einmal im Camp besuchte, als ich plötzlich bis auf wenige Millimeter die Kopfhaare abrasiert hatte; ja, es geschah in einer Nacht- und Nebelaktion und ein gewisser Jérôme hatte wohl auch Einfluss auf mich gehabt…

Auf dieses erste Abenteuer sollten weitere folgen. Mehr und mehr wagte ich mich aus meiner Heimat heraus. Da mir das Studium der „Medienplanung, -entwicklung und -beratung“, das an der Uni Siegen noch sehr frisch und meiner Meinung nach unausgegoren angeboten wurde, nicht besonders schmeckte, kümmerte ich mich selbst um meine weitere Ausbildung. Nach der Auslandserfahrung und dem Sprachtraining im echten Leben in Fribourg und im Camp in Gstaad (ich konnte mittlerweile fließend Englisch und Französisch sprechen), wagte ich ein Jahr später den Sprung über den Atlantik: Zusammen mit meiner besten Freundin wollte ich drei Monate lang dieses Mal in einem kanadischen Camp für jüdische Kinder wohlhabender Eltern arbeiten, das mir Kollegin Lucero aus Mexiko in Gstaad schmackhaft gemacht hatte. What an experience! Wir wohnten gemeinsam mit den Kindern in einfachen Blockhütten und wurden von Moskitos fast aufgefressen. Am schlimmsten waren die Nachtwachen, wenn eine von uns draußen vor den Hütten sitzen und aufpassen musste, dass die Mädchen in den Mädchen- und die Jungs- in den Jungshütten blieben. Bis dahin wusste ich nicht, dass man auch sitzenderweise an der Oberschenkelrückseite gebissen werden kann. Gemein! Morgens um sieben Uhr traten alle Kinder und Betreuer am „Flagpole“ an und schmetterten Flagge und Sonne die kanadische Nationalhymne entgegen, bevor es zum Frühstück ging. Kathrin arbeitete als Schwimmlehrerin und trotzte der kanadischen Sommerhitze am Camp-eigenen See, ganz in der Nähe zur Camp-Küche und dem Kühlschrank mit den leckersten Brownies unseres Lebens. Ich unterrichtete Geräteturnen und nannte eine Stall-ähnliche Turnhalle mit Turngeräten, die keiner TÜV-Zertifizierung standhalten würden, mein Reich. Nur die BBs jüngsten Camper konnte ich mit dem großen Trampolin oder dem Bauen von menschlichen Pyramiden begeistern. Dass die Jugendlichen, vor allem die bis 18(!)-jährigen männlichen, kein Interesse daran hatten, ihre Abercrombie & Fitch Garderobe bei Purzelbäumen und Grätsche nass zu schwitzen, versteht sich von selbst. Aber es war ein absolut cooler Sommer, gekrönt von Ausflügen an freien Tagen nach Toronto oder zum Zelten im Nationalpark, ein paar Tagen Urlaub im Anschluss zum Erkunden von Montréal und Quebec mit der kanadischen Mitfahrzentrale und der fixen Idee, später einmal in der Filmbranche (in Montréal fand gerade das Filmfestival statt) zu arbeiten.

Nach Kanada war die Uni in noch weitere Ferne gerückt. Kaum zurückgekehrt, kümmerte ich mich um meinen nächsten Einsatz: ein Praktikum bei L’Oréal in Düsseldorf, das genauso lang wie ein Semester dauern sollte und während dem ich schauen wollte, was ich mit meinem Medien-Studiengang im echten Berufsleben einmal anfangen könne. Meine viermonatige Stippvisite in Düsseldorf nutzte ich ausgiebig dazu, mich mit dem Nachtleben einer Großstadt vertraut zu machen. Vom Praktikantenstammtisch über Hang-outs in der WG mit Ulla über Cocktailpartys bis hin zum Karneval, Düsseldorf hatte mir viel zu bieten. Und tagsüber tauchte ich in eine Welt von Glitzer und Glamour ein, unternahm eine erste Dienstreise nach Paris (in ein Grand Hotel!), organisierte meine erste Pressekonferenz, buchte Models, plante eine Eventserie und häufte mehr – natürlich unausgeglichene – Überstunden als die Festangestellten an. Mein Büro teilte ich mit einer Controllerin; wenn ich sie über die Zahlen telefonieren hörte, schlackerte ich nur so mit den Ohren. Budgets, Quartalsberichte und Jahresabschlüsse waren von mir noch ganz weit entfernt.

Wir schrieben mittlerweile das Jahr 2000 und das Internet eroberte die Welt und auch L‘Oréal. Nutzbar war es für uns Mitarbeiter jedoch nur an einem gesonderten Rechner in der IT-Abteilung. In Kombination mit anderen „wichtigen“ Recherchen nutzte ich diesen, um mich heimlich um mein nächstes Abenteuer zu kümmern: eine Saison im „International Summer Camp“ in Crans-Montana. Mit der Hausarbeit, die ich irgendwie zwischen Düsseldorf und Crans-Montana abgeliefert hatte für das Studium, das ja auch irgendwie weiterlaufen musste, konnte ich keinen Preis gewinnen. Mit Verzicht auf den Abiball meines Bruders saß ich wieder im Zug in Richtung Schweizer Alpen und konnte an den anstrengend-verrückten Bergcamp-Sommer von 1998 anknüpfen.

Doch nicht nur in den Bergen, auch bei L’Oréal war ich auf den Geschmack gekommen. An echten und nicht nur Studienprojekten zu arbeiten, Ergebnisse abzuliefern, Vorgesetzte zufrieden zu stellen und Teil eines Getriebes zu sein, bereitete mir Freude und ich hatte das Gefühl, im Unternehmen mehr zu lernen als an der Uni. So engagierte ich mich schon bald wieder für ein nächstes Praktikum. Ich entschied mich gegen Stuttgart, wo ich als Praktikantin bei IBM im Bereich Interne Kommunikation stolze 2.000 DM pro Monat verdient hätte und wo ich meinen damaligen Freund, Praktikant bei Daimler, schnell und oft hätte sehen können. Stattdessen wollte ich nach Ingolstadt zu Audi und damit vielleicht auch meinen Vater, einen großen Audi- und NSU-Fan, ein bisschen stolz machen. „IG/P2“ lautete der mysteriöse Name der Abteilung, der ich in den nächsten vier Monaten angehören sollte. Wir kümmerten uns um das kulturelle Sponsoringengagement des Automobilkonzerns, darunter die Kronjuwelen, die Salzburger Festspiele. Der Gebäudekomplex, in dem mein Büro stand, war funkelniegelnagelneu, ich konnte jederzeit das futuristische MuseumMobile besuchen, mit einem Abteilungs-Audi über das riesige Betriebsgelände fahren und durch die Produktion marschieren. Und auch in Ingolstadt gab es einen Praktikantenstammtisch. Aber ich fand auch andere Beschäftigungen, ging zum Studententarif schwimmen, in die Eishalle und spielte im Audi Werksorchester, das einmal die Woche abends in der alten Kantine probte, Trompete. Während der BSE-Skandal seinen Lauf nahm und die Metzger auf Plakaten proklamierten, dass bayrische Rindviecher kein BSE haben, wohnte ich in der bescheidensten meiner bisherigen Behausungen: auf noch nicht mal acht Quadratmetern, von den männlichen Zimmernachbarn nur durch Spanplatten und Plexiglasscheiben getrennt, ohne amtliche Anmeldung. Wenn ich außerhalb von Bayern meine neue Hausnummer 22 einhalb angab, glaubte mir niemand.

Mit einem Thema der Krombacher Brauerei schrieb ich schließlich meine Diplomarbeit und setzte damit einen Schlusspunkt unter mein Studium. Kurz nach der Abgabe brachte Kathrin mich zum Frankfurter Flughafen. Vier Monate lang wollte ich nun durch Australien „backpacken“. Einen groben Plan hatte ich nur für die ersten Wochen, dann wollte ich mich treiben lassen und den Empfehlungen anderer Rucksacktouristen folgen. Was ich auf dem fünften Kontinent alles erlebte, wäre separate Erzählungen wert. Ein Auszug: Ich ließ mir von einem Kanadier nachts am Strand den Mond zeigen (was für den Kanadier böse endete); ich tauchte unter einer giftigen Wasserschlange durch und war froh, wieder lebend an die Wasseroberfläche zu kommen; ich traute mich immerhin zu schnorcheln; beim Ayers Rock ging ich bei 40°C eine Runde joggen; Silvester und dass seine Eltern im Urlaub waren feierte ich mit Scott; unter dem Sternenzelt im Outback in einer „Waltzing Matilda“ zu schlafen gehört mit zu den besten Dingen, die ich bisher erlebt habe; es hat lange gedauert, bis ich akzeptiert habe, dass sich in Australien die Sonne andersherum dreht; und Ochsenfrösche finde ich doof, vor allem, wenn sie in dem Klo sitzen, das ich dringend brauche.

Danach war ich bereit für den Einstieg ins Berufsleben. Der Zufall wollte es, dass ich meinen Anker bei einer Flusskreuzfahrtreederei warf. Ich bezog eine erste kleine Wohnung in Köln und stürzte mich ins Geld- und Renteverdienen. Ziemlich schnell fand ich Gefallen an meiner neuen Aufgabe, den Dienstreisen, dem Unterwegssein. Ich lernte an Land und an Bord viele Menschen kennen, eignete mir Fachwissen an, das ich an der Uni vermisst (oder verpasst) hatte, und wurde immer fleißiger und fleißiger. Bald schon kannte ich keine Feierabende und Wochenenden mehr. Einmal musste mir sogar ein Teil meines Jahresurlaubs ausbezahlt werden, so hatte ich mich in meinem Hamsterrad eingerichtet. Aber ich durfte mich „Marketingleiterin und Pressesprecherin“ nennen und einiges von der Welt sehen, an „wichtigen“ Meetings teilnehmen und meine Firma national und international repräsentieren. Aus dem ersten Job, den ich zwei, höchstens drei Jahre hatte ausprobieren wollen, wurde schließlich eine kleine Karriereleiter, die ich über acht Jahre lang beschritt.

Doch dann war es endlich Zeit zum Weitergehen. Gerne nahm ich an, als Hamburg rief und ich mich fortan um die Vermarktung von Hochseekreuzfahrten kümmern sollte. Dass ausgerechnet während meiner Zeit in der Hafencity die „Costa Concordia“ untergehen würde, konnte niemand ahnen. Über Nacht hatte unser Büroalltag mit all seinen Finessen – dem Flurfunk, der Gerüchteküche und der peniblen Regelung der Raucherpausen – keinerlei Bedeutung mehr. Wir rückten ganz eng zusammen und gaben alle gemeinsam unser Äußerstes, um diese schwere Zeit zu bestehen. Es war uns eine Ehrensache, den betroffenen Gästen so gut wir konnten zu dienen und nahmen zum Beispiel ohne mit der Wimper zu zucken in Kauf, dass wir wochenlang nur bei heruntergelassenen Jalousien arbeiten konnten, weil RTL sich für unsere Fenster interessierte. In dieser Zeit wurde mir eine besondere Rolle angetragen, der ich mich gerne und ohne jedes Zögern stellte. Ich wurde Ansprechpartnerin jener deutschen Familien, die einen traurigen Verlust zu beklagen hatten oder einen Angehörigen vermissten. Nie werde ich die Reisen nach Rom und Giglio vergessen, nie den Schmerz, dem ich begegnete und den ich nicht lindern konnte. Natürlich bekam ich als Gesicht der Reederei in diesem Moment an diesem Ort auch einiges an Wut, Beschimpfungen und Beleidigungen ab. Doch nicht eine Sekunde lang war ich darüber empört oder fühlte mich persönlich angegriffen. Es war die pure Not, die sich ein Ventil suchte. Gleichzeitig staune ich noch heute darüber, wie die Angehörigen trotz ihrer eigenen Verzweiflung mir selbst Mut machten und sich bei mir dafür bedankten, dass ich sie begleitete.

Während meiner Zeit in der Hafencity konnte ich meine Sammlung an Berufs- und Lebenserfahrung vergrößern. Vor allem das Kapitel über schlechte Kommunikation und noch schlechtere Führung erhielt viele neue Seiten. So passte es für mich, als ich zurück nach Köln gebeten wurde, um wieder eine größere Abteilung zu übernehmen und Führung und Kommunikation zur Zufriedenheit von Häuptling und Indianern gestalten konnte. Köln empfing mich lebenslustig-kunterbunt zurück. In meinem Veedel, dem Eigelstein, herrschte friedliches Multi-Kulti-Treiben und ich wurde schnell Stammkundin im marokkanischen Copyshop, vietnamesischen Restaurant und türkischen Gemüseladen. Meine neue Joggingrunde war eine einzige Panoramatour: von der Eigelsteintorburg runter zum Rhein, rauf auf die Hohenzollernbrücke, rüber auf die andere Rheinseite, rechtsrheinisch (das ist eh die Seite mit dem schöneren Blick auf Dom & Co.) gen Süden zur Deutzer Brücke, über diese wieder zurück über den Rhein und zu Füßen der Altstadt am Rhein entlang Richtung nach Hause. Meine Lauffreuden wurden erst getrübt, als ich gemeinsam mit Arbeitskollegen an einem Stadtlauf teilnahm. Dass ich mich vor Kollegen und Mitarbeitern im Sportdress gezeigt und gemeinsam mit ihnen sportlich betätigt hatte, war für die Geschäftsführung ein No-Go. Das ließ ich mir auf der Zunge zergehen und das passte in das Bild, das ich mir leider mittlerweile von den „corridors of power“ hatte machen können. Doch dann kam es noch interessanter: Der mir gesetzlich zustehende Bildungsurlaub, den ich für meine Coachingausbildung an der Uni Köln beantragt hatte, wurde abgelehnt. Begründung: die Sogwirkung. Wenn ich als Führungskraft Bildungsurlaub nähme, ja wo kämen wir denn dann hin, dann könnten ja auch andere Mitarbeiter auf die Idee kommen! Auch das ließ ich ausführlich auf mich wirken. Nun hatte ich es schwarz auf weiß: Dieser Arbeitgeber ist nichts für mich. Und überhaupt will ich nach all diesen Erfahrungen viel lieber mein eigener Arbeitgeber sein. Natürlich hielt ich trotzdem bzw. erst recht an meinen Fortbildungsplänen fest und bildete mich in aller Ruhe und an regulären Urlaubstagen fort. Im Winter bewarb ich mich bei Familie Aeby in der Schweiz für die Alp-Saison 2014. Und dann ging ich auf die Alp.

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KATHARINA AFFLERBACH
Katharina Afflerbach erzählt Ihre Geschichte, vom Elevator Pitch bis zum Website-Text. Sie ist freie Texterin, Konzeptionerin und Marketingspezialistin in Köln. Ihr Auftrag: klare Worte für klare Produkte und Dienstleistungen.

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